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Produktion

Schuften in der Weltmarktfabrik

Computer werden rund um den Globus produziert. Markenunternehmen wie Hewlett Packard, Dell, Fujitsu Siemens Computers und andere haben ihre Produktion weitgehend an so genannte Kontraktfertiger wie z.B. Flextronic, Foxconn und Inventec ausgelagert. Diese wiederum beziehen die einzelnen Bauteile von einer Vielzahl von Sublieferanten.

Globaler Unterbietungswettlauf:
Die Markenunternehmen führen einen harten Kampf um Marktanteile, der vor allem über den Preis ausgetragen wird. Um billiger produzieren zu können, wurde die Produktion ausgelagert und an so genannte Niedriglohnstandorte verlagert, zunächst nach Mexiko und Mittel- und Osteuropa, dann infolge der IT-Krise 2001 verstärkt nach Südostasien und vor allem nach China. Aktuell findet die Verlagerung in China ins Binnenland sowie nach Vietnam statt. Standorte rund um den Globus stehen in Konkurrenz zueinander und unterbieten sich gegenseitig.

Jung, flexibel, weiblich:
Der Unterbietungswettlauf wird auf die Beschäftigten abgewälzt. Weltweit ist der Anteil von Frauen und von MigrantInnen sehr hoch. In Südostasien sind schätzungsweise 90% der ArbeiterInnen junge Frauen. In China sind dies meist Wanderarbeiterinnen aus ländlichen Gebieten. Aufgrund ihres unsicheren Aufenthaltsstatus sind sie besonders leicht auszubeuten.

Gewerkschaftsfreie Zonen:
Unternehmen stellen Frauen bevorzugt ein, weil sie als zuverlässig, flexibel und gewerkschaftsfern gelten. Immer wieder versuchen Unternehmen, die Gründung von Gewerkschaften im Betrieb zu verhindern. In den Entwicklungsländern ist die Exportproduktion zumeist in so genannten Sonderwirtschaftszonen angesiedelt, in denen die Unternehmen oft steuerfrei und zu speziellen (heißt unternehmensfreundlichen) Bedingungen produzieren. Wirtschafts-, Steuer- und Arbeitsrechte gelten in diesen Zonen nur bedingt. In China sind in den Sonderwirtschaftszonen zwar Gewerkschaften erlaubt, allerdings gibt es keine unabhängigen Gewerkschaften. Die chinesische Staatsgewerkschaft ist bislang in der Exportindustrie nur schwach vertreten und nimmt selten die Rolle einer echten Interessensvertretung wahr.

Prekäre Arbeitsbedingungen:
Weltweit zeichnet sich die Computerindustrie durch befristete Arbeitsverhältnisse und einen hohen Anteil von Leiharbeit aus. In China werden den ArbeiterInnen zum Teil ihre Arbeitsverträge nicht ausgehändigt. Die Löhne decken oftmals nicht die Lebenshaltungskosten in den Städten und nicht immer wird der staatlich vorgeschriebene Mindestlohn gezahlt. Hohe Überstunden bis zu 80 Wochenstunden sowie Entlassungen bei Auftragsflaute sind die Regel.

Gesundheitsgefährdung: Der Einsatz toxischer Stoffe wie z.B. Schwefelsäure stellt eine massive Gefährdung der ArbeiterInnen dar. Oftmals fehlt es an Arbeitsschutzmitteln sowie einer Schulung im Umgang mit den Stoffen. Hautprobleme, Atemwegsbeschwerden, erhöhte Krebsgefahr, Ausbleiben der Monatsregel und Fehlgeburten sind typische Symptome.

Perspektiven:

  • Schulungen der ArbeiterInnen über ihre Arbeitsrechte
  • Aufbau von öffentlichem Druck auf Markenunternehmen mit dem Ziel, dass sie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen sowie fundamentale Arbeitsrechte in der Zulieferkette garantieren
  • Einkauf von PCs durch öffentliche Einrichtungen nach sozialen und ökologischen Kriterien
  • Abschluss von internationalen Rahmenabkommen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften zur Verankerung von Arbeitsstandards in der Zulieferkette.

Zum Weiterlesen:

Schwermetalle außer Kontrolle: Chinesische NGOs kritisieren IT-Industrie, Asienstiftung, 2010, Deutsch Download PDF

Hiring, Human Trafficking and Slavery in the Global Economy. Studie zu ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen u.a. in der IT-Industrie und die Rolle von ArbeitsvermittlerInnen, Verité „Help wanted“- Initiative, 2010, Englisch Download PDF

The Dark Side of Cyberspace. Studie über die Arbeitsbedingungen bei Zulieferunternehmen von Fujitsu Siemens Computers, Dell und Lenovo, SACOM und WEED, 2008, Englisch, Download PDF

High-Tech Sweatshops in China. Arbeitsrechte im internationalen Standortwettbewerb, WEED, 2007, Deutsch, Download PDF

Cutting Edge Contamination. A Study of Environmental Pollution During the Manufacture of Electronic Products, Greenpeace (http://www.greenpeace.org), 2007, Englisch, Download PDF

Electronics Multinationals and Labour Rights in Mexico, CEREAL, 2007, Englisch, Download PDF

Die Materialität des Cyberspace – Die lange Reise eines PCs und die Folgen für Arbeit, Umwelt und Entwicklung, Sarah Bormann, Sul-Serio Heft Netzwelten 2007, Deutsch, Download PDF

Labour in the Information, Communications and Technology Industry, Asian Labour Update, Asean Monitor Research Center, 2007, Englisch, Download PDF

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