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Rohstoffe

Am anderen Ende der Lieferkette

In Computern und sonstigen IT-Produkten steckt eine Vielzahl an mineralischen Rohstoffen. Auch wenn diese im einzelnen Produkt nur in kleinen Mengen vorhanden sind: Angesichts der Masse an jährlich neu produzierten IT-Produkten hat die Branche für den Markt und damit auch für die Abbaubedingungen von Rohstoffen eine enorme Bedeutung.

Die Missstände am “anderen Ende der Lieferkette” umfassen Arbeitsrechts- und Menschenrechtsverletzungen bei den Arbeiter*innen in den Minen ebenso wie die Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt in den umliegenden Gemeinden.

Konfliktmineralien: Der Abbau von und der Handel mit bestimmten Rohstoffen trägt zur Finanzierung bewaffneter Gruppen in Konfliktgebieten bei. Damit werden Konflikte geschürt, die mit schwersten Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Der Begriff wird oft eng für die vier Rohstoffe Zinn, Tantal, Wolfram und Gold (kurz „3TG“ für die englische Begriffe tin, tantalum, tungsten und gold) verwendet, betrifft aber auch andere Rohstoffe.

Todesfälle, Krankheiten und Unfälle: Angesichts der hohen Anzahl an Betroffenen sieht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) den Bergbau als eine der gefährlichsten Tätigkeiten an. Die Risiken für Leben und Gesundheit umfassen u. a. die Nutzung gefährlicher Chemikalien, Staubbelastung (Staublunge), Steinschläge, Unfälle mit Maschinen und Grubeneinstürze, tödliche Schlammlawinen und Erdrutsche. Umliegende Gemeinden leiden ebenfalls unter Gesundheitsbeeinträchtigungen, u. a. durch Grundwasser- und Bodenverschmutzung, Staub und weitere Umweltauswirkungen.

Kinderarbeit und Zwangsarbeit: Als arbeitsintensiver Bereich ist der Minensektor ein besonderer Gefahrenbereich für Zwangsarbeit, insbesondere beim Kleinbergbau. Auch Kinderarbeit spielt insbesondere im Kleinbergbau eine große Rolle. Kinderarbeit im Bergbau ist eines der Fallbeispiele der verbotenen „schlimmsten Formen von Kinderarbeit“ nach der ILO-Konvention 182 und der ILO-Empfehlung 190.

Zwangsvertreibung: Vor dem eigentlichen Beginn der Minenoperation selbst kommt es im industriellen Bergbau immer wieder zu Zwangsvertreibungen und Umsiedlungen und zur Missachtung indigener Rechte.

IT-Hersteller können nicht weiter darauf beharren, aufgrund der (selbst geschaffenen) komplexen Lieferkette ihrer Produkte keine Verantwortung für die Handlungen der Akteure in ihrer „tieferen“ Lieferkette zu tragen. Die abgeschobene Verantwortung holt die IT-Hersteller (wie auch die von anderen Branchen) wieder ein. Auch die OECD-Leitsätze zu Konfliktmineralien stellen ausdrücklich klar, dass die Sorgfaltspflichten zwar je nach Position in der Lieferkette variieren können, aber ausnahmslos alle Unternehmen Sorgfaltspflichten ausführen sollten. Ihre Handlungsansätze müssen sie nun durch den Einsatz von Marktmacht in einem verzweigten Lieferkettenkomplex ausüben. Der Einfluss der IT-Branche selbst wird dabei durch branchenübergreifende Industrieinitiativen verstärkt.

Perspektiven:

  • eine unabhängige Zertifizierung der Einhaltung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten beim Rohstoffabbau
  • “Wirkung” statt “Checkliste”: Unternehmen dürfen Rohstoffvorgaben wie die OECD-Leitsätze zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten nicht nur wie eine Checkliste abarbeiten, sondern die eigene Umsetzung der einzelnen Schritte der OECD-Leitsätze kritisch und individualisiert durchführen, transparent beschreiben und dabei auch Schwierigkeiten nicht unbenannt lassen. Die Frage des tatsächlichen „Impacts” der eigenen Maßnahmen sollte im Vordergrund stehen.
  • Ausweitung der bestehenden rechtlichen Vorgaben: Die Erfahrungen mit dem Dodd-Frank Act und der EU-Konfliktmineralien-Verordnung zeigen, dass verbindliche Vorgaben notwendig sind, um Veränderungen anzustoßen.
  • Rohstoffbörsen müssen dem Beispiel der LME (London Metal Exchange) folgen und Mindestanforderungen an Rohstofflieferanten stellen, die bei ihnen gelistet sind. Dies ist ein Ansatz, um Transparenz zu schaffen und um eine negative Preisspirale auf Kosten der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten zu verhindern.
  • Berücksichtigung von Rohstoffthemen bei öffentlichen IT-Ausschreibungen
  • Weniger Rohstoffverbrauch durch längere Nutzungsdauer, Reparatur und Wiederverwendung


Zum Weiterlesen:

Bewertung des Koalitionsvertrags der Bundesregierung durch den Arbeitskreis Rohstoffe (2022). Download PDF

Können Börsen Sorgfaltspflichten? Der Einfluss von Rohstoffbörsen auf soziale und ökologische Standards am Beispiel der London Metal Exchange  (2021). Download PDF

Am anderen Ende der Lieferkette: WEED-Studie zu Rohstoff-Ansätzen des IT-Sektors (2018). Download PDF

Musterausschreibung IT-Hardware: Berücksichtigung von Konfliktrohstoffen (2018). Download PDF

Infoblatt: Konfliktrohstoffe vermeiden (2018). Download PDF